Vergesslichkeit, Orientierungslosigkeit und allgemeine Verwirrtheit – das sind vor allen Dingen Symptome, die direkt mit Alzheimer-Demenz in Verbindung gebracht werden. Doch auch Veränderungen in der Sprachproduktion stellen nicht zu vernachlässigende Indikatoren für eine demenzielle Erkrankung dar. Schon in einer Studie von 1988 haben Faber-Langendoen et al. festgestellt, dass mehr als ein Drittel der Patienten mit leichter und sogar alle Patienten mit schwerer Alzheimer-Demenz eine Sprachstörung aufweisen, die als Aphasie bezeichnet wird. Ahmed et al. berichten 2013 sogar, dass zwei Drittel der Teilnehmer ihrer Studie bis zu einem Jahr vor der offiziellen Diagnose der Alzheimer-Demenz erhebliche Veränderungen in Bezug auf verschiedene Sprachmerkmale aufweisen. Vor allem die Wiedergabe von Inhalten, die Semantik, die Prosodie, die syntaktische Komplexität und die Sprechflüssigkeit seien von der Erkrankung betroffen.

Studien hin oder her – was heißt das denn nun in der Praxis?

Die Kommunikation mit Menschen mit Demenz muss demnach etwas anders gestaltet werden als mit Menschen, die nicht unter einer demenziellen Veränderung leiden. Doch genau das ist in der Praxis oftmals gar nicht so einfach umzusetzen. Gerade pflegende Angehörige, die bisher wenige Berührungspunkte im Umgang mit Menschen mit Demenz hatten, stellt das Thema Kommunikation immer wieder vor eine große Herausforderung mit Höhen und Tiefen. Es ist jedoch wichtig, sich auf den Lernprozess einzulassen, denn Kommunikation stellt einen wichtigen Grundpfeiler jeder zwischenmenschlichen Beziehung dar und hilft Verbundenheit und Nähe aufrechtzuerhalten.

Die Art und Weise wie eine Kommunikation mit Menschen stattfindet, ist dabei sehr individuell und sollte je nach Situation und Auffassungsgabe flexibel angepasst werden. Jedoch gibt es ein paar Grundsätze und allgemeine Tipps, die dabei helfen die eigene Kommunikationsweise zu reflektieren und gegebenenfalls zu optimieren.

Wertschätzung durch Verständnis und Geduld

Da die Sprach- und Verständnisfertigkeiten bei Menschen mit Demenz kontinuierlich abnehmen, haben sie zunehmend Probleme die richtigen Worte zu finden, oder Gesagtem zu folgen und es in den Kontext einzuordnen. Auch wiederholen sie oftmals bereits Gesagtes und halten sich nicht mehr an die üblichen Umgangsformen. Es ist wichtig, Menschen mit Demenz nicht auf falsche Antworten und Wortverwendungen oder repetitive Erzählungen hinzuweisen. Hier ist Geduld und Verständnis gefragt, denn auch im Gespräch sollte Menschen mit Demenz immer Wertschätzung entgegengebracht werden. Dies kann in solchen Fällen einfach durch normales, höfliches Antworten und eventuell einen Themenwechsel erreicht werden. Die eigene Sprache sollte zwar einfach, deutlich und langsam gehalten werden, wobei Fremd- und Fachvokabular, sowie negativ belastete Worte vermieden werden, sie sollte jedoch keiner „Babysprache“ ähneln.

„Ich muss jetzt auf den Bau fahren, die Handwerker haben gerade angerufen.“

Wie bei den meisten Dingen im Leben steckt hinter vielen Verhaltensweise ein tieferer Sinn. Daher gilt es auch bei Aussagen, die in unseren Augen zunächst keinen logischen Sinn ergeben, zu hinterfragen, was für eine Botschaft der Mensch mit Demenz uns damit vielleicht vermitteln möchte. Zudem leben Menschen mit Demenz häufig in der Vergangenheit und verwechseln diese mit der eigentlichen Gegenwart – sie fühlen sich dementsprechend auch jünger als sie sind. Es bringt nichts zu versuchen, sie aus ihrer Realität zu holen, vielmehr sollten wir ein Stück weit mit in ihre Realität gehen. Und wir können uns dieses Phänomen auch zu Nutze machen.

„Opa, erzähl doch nochmal, wie du damals Oma kennengelernt hast.“

Die ältere Generation hat oftmals noch die ein oder andere spannende Geschichte aus früheren Zeiten auf Lager. Und genau auf diese alt-bekannten „Ressourcen“ sollten wir uns im Gespräch mit Menschen mit Demenz stützen. Denn auch wenn neue Informationen und Ereignisse vom Kurzzeitgedächtnis oft schnell wieder vergessen werden, so kann das Langzeitgedächtnis meist noch lang-vergangenes abrufen. Die Gespräche, die dabei entstehen, basieren auf Erfahrungen, Interessen und Stärken des Menschen mit Demenz und machen Gebrauch von dem psychotherapeutischen Wirkfaktor der Ressourcenaktivierung nach Grawe. In ähnlicher Weise konzentriert sich die klientenzentrierte Gesprächsführung von Rogers auf die Persönlichkeit des Gegenübers. Klare und personenbezogene Aussagen vermitteln Kontinuität und Sicherheit, indem sich die Reaktionen auf verwirrte Aussagen auf die daraus resultierenden positiven Eigenschaften des Menschen mit Demenz stützen.

Kommunikation bedeutet nicht nur Sprache!

Kommunikation beginnt nicht erst beim gesprochenen Wort, sondern bedeutet auch immer Interaktion. Und wie bei allen zwischenmenschlichen Interaktionen sollten auch vor allem jene mit Menschen mit Demenz bedacht und flexibel an die individuelle Situation angepasst sein. Mit unserer Körpersprache können wir bereits eine volle Bandweite an Gefühlen und Stimmungen übermitteln, die sich dank der sogenannten Spiegelneuronen auf unser Gegenüber übertragen. Besonders Menschen mit Demenz haben ein überaus sensibles Gespür für die Stimmungen ihrer Bezugspersonen, deswegen kann ein Lächeln schon Wunder wirken. Denn wenn wir selbst in der Interaktion eine positive Grundstimmung vermitteln, so profitiert auch unser Gegenüber davon. Dazu kommt, dass eine verbale Kommunikation auch anstrengend für den Menschen mit Demenz werden kann. Über Berührungen, Mimik und Gestik, sowie das Untermalen unserer Aussagen mit unserer Körpersprache kann die Verständigung also bedeutsam erleichtert werden.

Digimenz unterstützt euch in der Interaktion

Mit Digimenz wollen wir Pfleger und pflegende Angehörige dabei unterstützen einen wertvollen Zugang zu ihren Angehörigen mit Demenz zu finden und aufrechtzuerhalten. Dabei setzen wir auf individualisierbare Anwendungen und Aktivitäten, die zur gemeinsamen Interaktion einladen und die Kommunikation – verbal und nonverbal – fördern.

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Der Blogbeitrag wurde basierend auf folgenden Quellen geschrieben:

Faber‐Langendoen, K., Morris, J. C., Knesevich, J. W., LaBarge, E., Miller, J. P., & Berg, L. (1988). Aphasia in senile dementia of the alzheimer type. Annals of Neurology, 23(4), 365–370. https://doi.org/10.1002/ana.410230409
Ahmed, S., Haigh, A. M. F., de Jager, C. A., & Garrard, P. (2013). Connected speech as a marker of disease progression in autopsy-proven Alzheimer’s disease. Brain : A Journal of Neurology, 136(Pt 12), 3727–3737. https://doi.org/10.1093/brain/awt269
https://www.aerzteblatt.de/archiv/187651/Kommunikation-mit-Demenzerkrankten-Eintauchen-in-eine-andere-Welt
https://alzheimerundwir.com/die-macht-des-lachelns/
https://www.deutschlandfunkkultur.de/kraft-des-lachens-humor-trotz-t-demenz-100.html
https://www.wegweiser-demenz.de/wwd/alltag-und-pflege/alltagssituationen/kommunikation
https://psychiatrietogo.de/2012/02/04/die-5-wirkfaktoren-der-psychotherapie-nach-klaus-grawe/
https://praxistipps.focus.de/klientenzentrierte-gespraechsfuehrung-das-steckt-dahinter_121319